Bräuche und Sitten

Bräuche und Sitten - das sollte man beachten

5.1 Allgemein

Feste und Bräuche
Feste wie Ostern und Weihnachten gründen in der christlichen Prägung des Landes und sind im Laufe der Zeit mit anderen, nichtchristlichen Elementen vermischt worden. Die traditionellen Osterfeuer beispielsweise, welche in vielen Regionen Deutschlands zum Osterfest lodern, sollten schon bei den Germanen den Winter vertreiben. Um die Tradition zum Weihnachtsfest, einen Nadelbaum ins Haus zu holen und zu schmücken, ranken sich viele Entstehungsgeschichten. Eine davon verweist ebenfalls auf die Germanen, die im Winter ihre Häuser mit Zweigen schmückten. Gerade Weihnachten und Ostern werden als Familienfeste wahrgenommen und zum gemeinsamen Beisammensein genutzt, auch von nicht strenggläubigen Christen.
Das persönliche Leben ist von bestimmten Abschnitten geprägt, die von unterschiedlichen Bräuchen begleitetet werden. Der Geburt folgt auch heute oft noch die Taufe. Auch Kommunion, Konfirmation, Heirat und das Begräbnis werden in Deutschland häufig durch Zeremonien der Kirchen unterstützt. Der Austritt aus der Kirche muss in Deutschland aber nicht den Verlust dieser Bräuche bedeuten. Trauungen durch einen freien Theologen oder Beisetzungen an anderen Orten als dem Friedhof werden in Deutschland immer häufiger durchgeführt.

Der Geburtstag ist in Deutschland ein persönlicher Feiertag. Der Namenstag wird seltener so feierlich begangen. Auch der Jahreswechsel wird in Deutschland mit Festen begangen.

In den ländlichen Regionen des Landes haben Bräuche und Sitten einen höheren Stellenwert als in städtisch geprägten Gebieten. Die engere Verbindung zur Natur lässt Feste wie das Erntedankfest in ländlichen Regionen eine größere Bedeutung zukommen. Bestimmte Sitten und Bräuche sind regional beschränkt. So wird in manchen Regionen zur Geburt eines Kindes das Haus der Eltern mit einer Wäscheleine, bestückt mit Babybekleidung, geschmückt. Andernorts müssen Junggesellen an ihrem dreißigsten Geburtstag den Marktplatz fegen. Ebenso werden Schützenfeste und Karnevalsumzüge regional unterschiedlich gefeiert.

5.2 Klischees

Es gibt viele Klischees, die den Deutschen anhaften- auch wenn man Verallgemeinerungen vermeiden sollte, steckt doch oft ein Funken Wahrheit in ihnen. So erkennt man angeblich den Deutschen Urlauber schon am Kleidungsstil: buntes Hemd in kurzen Shorts, dazu hochgezogene weiße Tennissocken in Sandalen oder Badelatschen. Deutsche reservieren schon morgens um sieben ihre Strandliege, achten auf die Einhaltung der Mittagsruhe und genießen auch gerne im Ausland deutsches Essen. Sie fahren häufig in den Urlaub und rühmen die dortige Gastfreundschaft, tun sich im eigenen Land mit Ausländern jedoch oft schwer. Deutsche sind angeblich pünktlich, aber humorlos, und sie sorgen stets für Recht und Ordnung, auch wenn sie keiner darum bittet.

Aber damit nicht genug, auch im eigenen Land gibt es diverse regional bezogene Klischees, die eifrig aufrecht erhalten werden: so sei der Schwabe geizig, der Westfale stur, der Holsteiner kühl, der Ostfriese dümmlich, der Berliner habe eine große Klappe, der Bayer trinke nur Bier, und so weiter.

Tja, die Zeit der Dichter und Denker ist anscheinend vorbei, dafür bauen die Deutschen die besten Autos und brauen das beste Bier – wenigstens etwas Positives.

5.3 Kleidung

Begrüßung
In Deutschland gibt es im Allgemeinen keine direkten Kleidungsvorschriften. Existierende Richtlinien beziehen sich auf die Berufswelt. Bestimmte Berufe, wie beispielsweise der des Bankkaufmanns, erwarten einen seriösen Kleidungsstil von den Mitarbeitern. Des Weiteren gibt es den Berufsbereich, in dem Uniformen getragen werden. Dazu zählen zum Beispiel die Polizei, die Justiz, die Bundeswehr und der Zoll. Der Talar des Richters oder des Geistlichen und die weißen Kittel der Ärzte und des medizinischen Personals sind zwar keine Uniformen, doch das Berufsbild wird durch die festgelegte Kleidung geprägt.

Im Freizeitbereich gibt es keinerlei Kleidungsvorschriften, solange das Äußere nicht zur Erregung öffentlichen Ärgernisses führt. Nur in manchen christlichen Kirchen wird noch darauf geachtet, dass Besucher ihre Schultern und Knie bedeckt haben.

Kleidung ist auch in Deutschland Ausdruck von Individualität und in der Freizeit kann sich jeder seine ganz eigene Erscheinung schaffen. Bestimmte Subkulturen kann man in Deutschland an ihrem Kleidungsstil erkennen. In den Großstädten Deutschlands kann man alle Kleidungsstile beobachten. In ländlichen Regionen ist die Kleidungsweise nicht ganz so ausgefallen.

Aber nicht nur die Individualität im Freizeitbereich findet in Deutschland durch Kleidung ihre Betonung. Auch alte Traditionen finden ihren Ausdruck in spezieller Kleidung. In Bayern ist die Trachtenmode weit verbreitet. Charakteristisch mit der Lederhose für den Mann und dem Dirndl für die Frau. Aber auch bei den Schützenfesten, die in Deutschland weit verbreitete Volksfeste sind, tragen die Schützen Uniformen, die sich von Dorf zu Dorf unterscheiden.

Die Trachten, wie sie heute getragen werden haben viele Veränderungen im Laufe der Zeit erfahren und haben ihre Wurzeln in der früheren Kleidung, die die Stände repräsentierte. Auch heutzutage ist in Bayern das Tragen von traditionell geprägter Kleidung noch fest im Leben verankert. Nicht nur zu Umzügen und Festen werden Trachten getragen, sondern auch sonntags in der Kirche. Regional gibt es unterschiedliche Trachten, wie beispielsweise die Chiemgauer Tracht.
Diese wird in Oberbayern in den Trachtenvereinen, Schützenvereinen und Musikkapellen getragen. Um 1900 entwickelte sich die Chiemgauer Tracht, im Zuge der vermehrten Entstehung von Trachtenvereinen, wie sie heute ist. Für die Männer besteht die Tracht aus einem grünen Hut, einem Leinenhemd und einer Lederhose mit Hosenträgern. Vervollständigt wird die Kleidung durch eine längere Weste (Laibi), bis zu den Knien reichende Wollstrümpfe, schwarze Lederschuhe und prachtvollen Schmuck an Körper und auf dem Hut. Ein sogenannter „Schariwari“ wird vorn an der Lederhose am Hosenbund befestigt. Diese prachtvoll verzierten Ketten mit Hornschnitzereien und Münzen sind neben Broschen und Nadeln die Accessoires der Tracht. Besonders ins Auge fällt der Hutschmuck, denn dieser besteht aus einem Gamsbart oder auch aus Adlerflaum. Das Besondere der Frauentracht ist der „Priener Hut“. Dieser zylinderartige Hut ist mit goldfarbenen Quasten und einem Samtband verziert. Dazu wird ein Dirndl getragen.

Wie gegenwärtig die Tradition der Trachten in Bayern ist, zeigt sich zum Beispiel am 6. November jeden Jahres. Denn an diesem Tag findet der „Leonardiritt“, auch „Leonardifahrt“ genannt, statt. Zu Ehren des heiligen Leonhard von Limoges, Schutzpatron der Tiere in der Landwirtschaft, wird dieses Fest veranstaltet. Die geschmückten Pferdewagen und die prachtvolle Trachtenkleidung locken auch immer viele Touristen an. Besonders groß ist die „Leonardifahrt“ in Bad Tölz mit über 20.000 Besuchern. Hundert geschmückte Pferdewagen prozessieren zur Kapelle des heiligen Leonhard und erhalten dort einen Segen.

Aber nicht nur Bayern hat traditionsreiche Kleidung zu bieten. Auch der Schwarzwald ist für seine Trachten bekannt. Weltweit kennt man den sogenannten „Bollenhut“. Dieser Strohhut ist mit 14 Wollkugeln bedeckt. Sind die „Bollen“ in roter Farbe, zeigt dies an, dass die Frau unverheiratet ist, schwarze Kugeln sind das Zeichen für eine verheiratete Frau. Dieser bis zu zwei Kilogramm schwere Hut hat seine Heimat in den Gemeinden Wolfach-Kirnbach, Hornberg-Reichenbach und Gutach und wird von Frauen ab dem Zeitpunkt der Firmung oder Konfirmation zu festlichen Anlässen getragen.

Die Trachten aus Süddeutschland sind weithin bekannt, aber auch die anderen Regionen Deutschlands haben traditionelle Kleidungen. Hoch im Norden, in der Nähe von Aurich, wird eine Trachtentradition gepflegt, die auf eine alte, ostfriesische Bauerntracht zurückgeht. Die Frauen tragen das sogenannte Käppgen, eine Samtmütze mit Stickereien, einen knöchellangen Wollrock und ein blusenartiges, rotes Hemd. Ein Tuch, welches über Rücken und Nacken gelegt wird ist mit aufwendigen Stickereien versehen. Die Männer tragen einen ovalen Dreispitzhut, ein weißes Hemd, eine mit Silberknöpfen verzierte und hochgeschlossene Weste und einen langen Mantel. Der offen getragene Mantel macht die kunstvollen Knöpfe der Weste sichtbar und reicht bis zu den Knien. Auch die knielange Hose ist mit Silberknöpfen verziert. Abschluss bilden die grauen Wollsocken und die Schuhe, die mit einer großen Schnalle versehen sind.

5.4 Umgangsformen

Zur Begrüßung wird in Deutschland in aller Regel die rechte Hand gereicht. Freunde und Familie werden auch durchaus mit Umarmungen oder Küssen begrüßt. Auf gute Umgangsformen wird in vielen Bereichen wertgelegt. Gerade im beruflichen Leben sind gute Umgangsformen ein wichtiger Bestandteil. Aber auch im privaten Umfeld ist gepflegtes Benehmen erwünscht. Dazu gehören unter anderem Höflichkeit, Pünktlichkeit, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Das Siezen von fremden Personen wird als selbstverständlich angesehen. In einer Gesprächssituation blickt man dem Gesprächspartner in die Augen und signalisiert so seine Gesprächsbereitschaft. Einen festen Bezugspunkt für Umgangsformen bildet der sogenannte „Knigge“. Dieses Buch wird in Abständen immer wieder in erneuerter Form aufgelegt und beschreibt die richtigen Verhaltensweisen und Benimmregeln in verschiedenen Situationen im privaten und beruflichen Leben. Der „Knigge“ ist natürlich nur ein Buch mit Tipps, es handelt sich hier nicht um festgeschriebene Regeln. In heutiger Zeit sind die Umgangsformen gelockerter als in früheren Zeiten.

5.5 Sprichwörter und Redewendungen

• „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“. Dieses Sprichwort soll bedeuten, dass die Kinder den Eltern sehr ähnlich sind. Entstehung: In vorrömischer Zeit gab es bei den westfälischen und niederdeutschen Stämmen eine Tradition, die sich „Abfell“ nannte. Dieser Brauch beinhaltete, dass ein in einer Neumondnacht geborener Zwilling, dessen Zwillingsbruder bei einem Stammeskrieg gefallen war, viele Annehmlichkeiten von dem Stamm erfuhr. Der „Abfell“ musste sich danach jedoch selbst enthaupten. So hieß es darum damals „Der Abfell fällt (stirbt) nicht weit vom Stamm (seiner Sippe)“.
• „Wer A sagt muss auch B sagen“ bedeutet, dass etwas Angefangenes auch zu Ende geführt werden muss. Entstehung: Dieses Sprichwort entstand in Münster (Westfalen) als Anspielung auf den Fluss Aa. Dieser war im Mittelalter sehr verdreckt und geruchsintensiv. Daher sagte man: „Wer d’ Aa seiht (sieht), muss ooch Bäh säggen (sagen)“
• „Etwas ausbaden müssen“ ist eine Redewendung dafür, dass man etwas Unangenehmes ertragen muss. Es kann auch die Konnotation haben, dass man die negativen Folgen einer Tat von einem anderen ertragen muss. Entstehung: Früher war es üblich, dass an einem Badetag in der Woche alle Familienmitglieder in derselben Wanne und demselben Wasser nacheinander badeten. Der Letzte musste also „ausbaden“ und zudem noch die Wanne reinigen.
• „Ein Brett vor dem Kopf haben“ wird umgangssprachlich verwendet, wenn jemand begriffsstutzig ist. Entstehung: Im Mittelalter wurden den Ochsen Bretter vor die Köpfe gebunden, die als Scheuklappen fungieren sollten.
• „Ins Handwerk pfuschen“ bedeutet, dass man jemanden bei der Verrichtung negativer Dinge hindert. Entstehung: Im Mittelalter durften nur Handwerker, die der Zunft angehörten handwerkliche Tätigkeiten ausführen, alle anderen waren „Pfuscher“.
• „Sich freuen wie ein Schneekönig“ bezeichnet eine große Freude. Entstehung: Der Zaunkönig, eine Vogelart, wird auch Schneekönig genannt, da er auch im Winter zwitschert.
• „Ins Fettnäpfchen treten“ bedeutet eine ungeschickte Aussage, die anderen unangenehm ist oder sogar jemanden verletzt. Oft bezeichnet man so auch eine ungewollt verletzende Aussage anderen Menschen gegenüber. Entstehung: Im Erzgebirge wurde zwischen Tür und Ofen ein Fettnapf aufgestellt, der die Schuhe fetten sollte. Wenn man ungeschickt war, warf man den Fettnapf um und es entstanden zum Ärger der Hausfrau Fettflecken auf dem Boden.
• „Da liegt der Hund begraben“ bezeichnet einen Ort, der verlassen oder einsam ist. Entstehung: Das mittelhochdeutsche Wort „Hunde“ bedeutet Schatz, Beute. So hieß es damals „Da liegt der Schatz begraben“.
• „Über die Wupper gehen“ drückt aus, dass etwas verloren geht, zerstört wird. Entstehung: Der Todestrakt eines ehemaligen Gefängnisses in der deutschen Stadt Wuppertal war nur über eine Brücke zu erreichen. Ein zum Tode Verurteilter musste also zuerst über die Wupper gehen.
• „Eine Hand wäscht die andere“ sagt metaphorisch, dass Hilfsbereitschaft auf Gegenseitigkeit beruht. Entstehung: Aus dem Lateinischen (manus manum lavat) übernommen.

5.6 Witze

Wie unterscheiden sich ein britischer, ein französischer und ein deutscher Rentner? Der Brite liest zum Frühstück seine Times, dann geht er in den Golfclub. Der Franzose trinkt zum Frühstück ein Glas Wein, dann geht er zum Tennis. Der Deutsche nimmt seine Herztropfen und geht zur Arbeit.

Ein Deutscher und ein Amerikaner wetten, wer schneller ein Haus bauen kann. Nach 4 Wochen telegrafiert der Amerikaner: 'Noch 14 Tage und ich bin fertig!' Antwortet der Deutsche: 'Noch 14 Formulare und dann fang ich an!'

Deutscher Urlaubsgast zum Bergbauer: "Wie heißt'n der Berch da drübe?" Bauer: "Wölcher denn?" Gast: "Danke schön..."

5.5 Kurioses

Der Durchschnittsdeutsche - das Leben der Deutschen in Zahlen:

Um die Lebensgewohnheiten der Deutschen herauszufinden, hat man eigens seit 1985 ein ganzes Dorf unter die Lupe genommen. Der Ort Haßloch ist eine Gemeinde mit 20.000 Einwohnern. Viele der Haushalte dienen als Forschungsobjekt für die Untersuchung des Kaufverhaltens. Was wie eine Beschreibung eines Science-Fictions Films klingt, ist hier Realität.

In fast jedem Supermarkt wird verzeichnet, was gekauft wird. Sogar die Werbung im TV ist in Haßloch eine andere. Ein Decoder am Fernseher tauscht Werbespots nach einiger Zeit aus. So kann untersucht werden, wie und wie stark sich bestimmte Werbung auf das Kaufverhalten auswirkt. Was sich hier nicht verkauft, kommt auch meist in kein anderes Supermarktangebot in Deutschland.

Neben dem Testdorf Haßloch kann man den typischen Deutschen in einigen Zahlen ausdrücken. So steht der Deutsche morgens um 6.20 Uhr auf. Nach etwa 25 Minuten im Bad geht es weiter zur Arbeit. Das Durchschnittseinkommen einer Durchschnittsfamilie mit einem Kind beträgt 2.600 Euro Netto. Und alle 15 Jahre wird umgezogen. In seinem ganzen Leben verzehrt der Deutsche 8 kg Schokolade, 77.000 Tassen Kaffee und 10 l reinen Alkohol.

Damit auch die Produkte in Deutschland gleich sind, gibt es etliche Normen, die vom DIN-Institut festgelegt werden. So ist durch DIN EN ISO 20126 festgelegt, dass sich die Borsten nicht von der Zahnbürste lösen dürfen. Damit Grillwürstchen nicht durch das Gitter rutschen, wurde die DIN EN 1860-1 aufgestellt, so sollen die Stäbe vom Rost eng genug beieinander liegen.

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