Löffelweise Harmonie – die ayurvedische Küche

Früher hat es dem Steinzeitmenschen das Leben gerettet, und für uns kann es heute dagegen recht gefährlich werden. Gemeint ist hier die Fähigkeit, innerhalb von wenigen Sekunden von null auf hundert durchzustarten. Früher war es so, dass man ein Notfallsystem benötigte, wenn man Mammuts jagen wollte. Auch heute profitieren wir durchaus davon, und zwar beispielsweise wenn wir noch auf den letzten Drücker für eine Prüfung lernen muss. Stehen wir unter Anspannung, dann können wir wirklich ungeahnte Kräfte mobilisieren.

Dennoch sind wir auch manchmal Herausforderungen ausgesetzt, die uns schlichtweg überfordern.

Dann reagiert der Körper so, dass der Hypothalamus im Zwischenhirn eine Hormonkaskade in Gang setzt. Durch diese wird dann die Nebennierenrinde dazu veranlasst, Noradrenalin, Adrenalin und auch Cortisol auszuschütten. Dann werden Atem und auch Herzschlag beschleunigt, gleichzeitig steigt der Blutdruck, und auch die Muskulatur spannt sich an. Dann werden auch die Sinne geschärft, und wiederum auch die Verdauung und der Geschlechtstrieb gedämpft. Erst wenn die riskante Situation vorbei ist machen wir uns dann wieder locker. Problematisch ist Stress eigentlich immer, und wenn er chronisch ist, dann schwächt er sowohl das Immunsystem als auch das Gefäßsystem.

Vor 6000 Jahren kannte man das Wort Stress im Ayurveda noch gar nicht. Aber dennoch kannte man dort bereits die Symptome wie Nervosität, Gelenkschmerzen, gestörter Schlaf, Geräuschempfindlichkeit und auch trockene Haut und Gelenkschmerzen. Das alles weist auf eine sogenannte Vata-Störung hin. Nach der Ayurveda-Lehre ist es so, dass Vata, das Bewegungsprinzip, zusammen mit Pitta, Stoffwechsel, und Kapha, der Struktur, die drei Doshas bildet, die Lebenskräfte im Menschen. Eine dieser Kräfte herrscht in jedem einzelnen Menschen vor. Dadurch wird seine Konstitution bestimmt. Allerdings sollen davon ganz unabhängig die drei Doshas im Körper in Harmonie fließen. Nur dann geht es dem Menschen auch wirklich gut. Wenn diese Doshas gestört sind, kann es zu Krankheiten kommen. Daher ist es so, dass alle Maßnahmen darauf abzielen, das Gleichgewicht zu halten, und zwar durch einen regelmäßigen Lebensstil, Ökomassagen, Meditation, Bewegung und auch Ernährung.

Ayurveda sollte vor allen Dingen als eine vorbeugende Therapie gesehen werden. Eine eventuelle Störung können Ärzte beispielsweise am Puls erfühlen. Wenn Menschen gestresst sind, dann pulsiert er recht schnell und auch flach. Heute sind Vata-Störungen leider recht häufig anzutreffen.

Bei gestressten Patienten verordnen die Ayurveda-Ärzte als erstes Entspannung, Bewegung und auch eine gute Ernährung. Man muss bedenken, dass alles, was wir essen und trinken, unser Wohlbefinden beeinflusst. Idealerweise sollte das Essen immer ein Fest sein für die Sinne. Dabei sollte der Reis schön duften, das Gemüse sollte bunt und knackig sein, ein zerkochtes Einerlei kommt hier nicht in Frage. Auch ein Apfel sollte richtig schön knacken, wenn man hereinbeißt. Ein gesundes Essen macht immer Freude, und es ist aus Lebensmitteln zubereitet, die frisch sind und unbelastet. Auch alle Geschmacksempfindungen sollten in der ayurvedischen Küche enthalten sein. Das macht dann richtig schön satt und auch zufrieden. Wer unter Stresssymptomen leidet, also eine Vata-Störung hat, der bekommt für gewöhnlich zwei unterschiedliche Lebensmittellisten, auf einer steht, was er bevorzugen soll, auf der anderen, was er vermeiden soll.

Zurückhalten sollte man sich mit Nahrungsmitteln, die einen überwiegend scharfen, herben oder bitteren Geschmack haben, denn sie heizen Vata an. Günstig sind hier salzige, süße und auch saure Lebensmittel. Diese reduzieren das nervöse, überdrehte Vata. Die Speisen und die Getränke sollten warm sein, und im Winter auch ruhig etwas schwerer und fetter. So wird das System beruhigt und besänftigt. Jetzt mag man vielleicht meinen, dass man schon immer bei solchen Situationen instinktiv richtig gehandelt hat, wenn man zu Schokolade und Chips gegriffen hat, aber dem ist nicht so. Zwar stimmt hier die Richtung, also salzig und süß, aber dennoch gibt es im Ayurveda keine Zwischenmahlzeiten oder auch Snacks und schon gar kein Fast Food.

Wichtig ist im Ayurveda auch, dass man immer langsam und auch regelmäßig isst. Zwischen den Mahlzeiten sollten schon rund vier bis sechs Stunden liegen. Nur so kann der Körper richtig gut verdauen. Und die geregelten Essenszeiten sind deshalb sehr wichtig, weil sie den Tag strukturieren. Genau das ist in stressigen Zeiten sehr wichtig.

Die Hauptmahlzeit ist hier immer für den Mittag vorgesehen, und dann darf man sich auch so richtig satt essen. Wenn das Frühstück ausfällt, es dies auch nicht so ganz schlimm. Wichtig ist aber, dass das Essen abends immer leicht verdaulich ist. So kann man dann gut schlafen. Zudem sollte man in Ruhe essen und auch in einer schönen Umgebung und vor allen Dingen, ohne dass man nebenbei etwas erledigt.

Auch Disziplin hilft weiter, so schaufelt man nicht unkontrolliert etwas in sich hinein. Durch unregelmäßiges Essen wird die Vata-Energie angefeuert, und das ist dann ein Teufelskreis, der auch meist noch mit einem Bewegungsmangel einhergeht. Dann steigen der Stresspegel und auch das Gewicht.

Allerdings gibt es hier auch eine gute Nachricht, denn niemand muss sich die geliebten süßen Leckereien verkneifen. Ayurveda ist die Lehre, in der diese süße Lust noch durchaus ernst genommen wird. Es gibt sogar manche Kurkliniken, die die Nachspeise noch vor der Hauptmahlzeit servieren.

Tags: , , , , Dezember 7th, 2015 Posted in Ayurveda

Leave a Reply

*

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Powered by WordPress | Blue Weed by Blog Oh! Blog | Entries (RSS) and Comments (RSS). | Impressum