Wellness und Urlaub auf Mallorca im Herbst

Hähne krähen, Schafe blöken, weit strecken sich die Hügel mit Legionen akkurat gepflanzter Oliven- und Mandelbäumchen vor den terrakottafarbenen Terrassen des „Can Calco“ – eine Panoramapostkarte könnte nicht schöner sein. Nur vier Pärchen und eine Familie teilen sich die Idylle in Moscari, fast in der geografischen Mitte Mallorcas. Vor asiatisch anmutenden Liegeplattformen spenden leichte weiße Naturvorhänge ein wenig Schatten Den Pool hat man für sich alleine.

Abends überraschen Jaume und Juan, Ex-Fischer und heute Landhotel-Besitzer, im eigenen Restaurant mit einem raffinierten Vier-Gänge-Menü mit Paprikasuppe, Barsch in Salsa Verde und Truthahn mit Mango. Wollen die Gäste die beiden Enddreißiger, die es immer noch aufs Meer zieht, morgen zum Fischen begleiten und eine garantiert einsame Bucht ansteuern? Na klar! Oder lieber im nahen Inca ausgiebig Lederklamotten einkaufen?

Sich wohlfühlen ohne Rummel, mediterrane Natur neu entdecken – das ist Mallorca im Herbst. Wenn alle weg sind, wenn es in Deutschland acht und hier 21 Grad sein kann, wenn das Mittelmeer die letzte Sommerwärme fest gespeichert hält. Und wird es doch mal kühler, gibt es inzwischen Yoga-Klassen, Tapas-Kochkurse und Rosmarin-Relaxmassagen. Immer mehr Hotels und Fincas setzen auf Wellness. Auf der Edel-Finca „Son Brull“ etwa, im Norden bei Pollenca gelegen, rubbeln zarte Hände mit heimischen Olivenmassagen Alltagsstress weg – zumindest fühlt man sich danach um Jahre jünger!

Längst ist das Hinterland und nicht mehr nur der Strand das Ziel. Durch die grünen Hügel von Moscari etwa kann man ins Dorf Selva radeln. 18 Kilometer lang ist der Rundkurs, Radel- und Wanderwege, von gemütlichen Pfaden mit Meerblick bis hin zu aufregenden Mondscheintouren, gibt es Hunderte. Kein Mallorca-Urlaub ist perfekt ohne einen Besuch der mit Gotik und Jugendstil überbordenden Hauptstadt Palma, deren Zentrum gerade ein fußgängerfreundliches Lifting hinter sich hat. Wenn die Hitze des Sommers gewichen ist, macht das Bummeln doppelt Spaß. Schuhe! Taschen! Entlang der Avenida Jaime III ist die Auswahl riesig – und merklich günstiger als bei uns. Keine Frau, die ohne eine Schuhtüte nach Hause fährt.

Im Oktober erwacht Palma zu neuem Leben. Beseelt von lichten Einkaufsnachmittagen auf dem Born flanieren. Die filigranen Schattenmuster bewundern, die der baumbestandene Prachtboulevard von Palma auf das Pflaster zaubert: Das lieben die Mallorquiner um diese Jahreszeit. Hier ein Gläschen Rosada kosten, dort ein paar frische Muscheln. Dem Klick-Klick von Hunderten strahlend weißer Yachten lauschen, die an der erweiterten Uferpromenade der Hauptstadt im Wind ihre Masten aneinanderreiben.

Knapp 400 000 Einwohner, und damit die Hälfte der Inselbewohner, leben in Palma. Im Santa-Catalina-Viertel westlich der Stadtmauer, früher Seemannszubehör vorbehalten, trifft sich heute die Szene in munteren Kneipen entlang der Calle Fabrica. An der anderen Seite der Stadt, im Trend-Viertel Portixol, ballen sich Fischrestaurants und smarte Lunchtreffs wie das “Portixol Hotel“. Wie die Fischer aus Moscari hat auch die Deutsche Ute Delissen, 41, ihren Beruf gewechselt und im Hinterland Mallorcas eine neue Heimat gefunden. Nahe Sóller, dem alten Handels-Städtchen an der Nordwestküste, betreibt sie mit ihrem holländischen Mann Theo die gemütliche Berg-Finca „Can Poma“. Unter Zypressen und Palmen unterrichtet sie Yoga. Sie hat ihren Umzug nie bereut. Schon die Römer verwandelten Sóller in einen Garten Eden. Mit blank gescheuertem Kopfsteinpflaster und einer Dorf-Placa mit mindestens acht Kneipen hat er noch den Charme der 60er-Jahre und ist das heimliche In-Ziel Mallorcas.

Zudem ist die „Stadt hinter den Bergen“ per Tunnel von Palma in zwanzig Minuten erreichbar, ein prima Ausgangspunkt für Touren. Per Boot geht’s in die Bucht von Sa Calobra, im Sommer überlaufen, im Herbst eindrucksvoll. Eine hundertjährige Holzbimmelbahn verbindet Sóller mit dem neu ausgebauten Hafen. Ein ebenso alter Zug schaukelt über die Berge bis nach Palma und erlaubt fantastische Ausblicke. Im Jugendstil-Bahnhof sind echte Picasso-Keramikteller zu bewundern. Eine kuschelige Sauna und Grace-Kelly-Feeling bietet das „Esplendido“, ein Grand Hotel von 1954, direkt an der Uferpromenade von Port de Sóller gelegen. Auch Bob Geldof wurde hier schon gesichtet. Samstags gibt’s auf Mallorca nur eine Adresse, wo sich alle treffen – der hippiehafte Straßenmarkt von Santanyi im Südosten der Insel. Auf dem Flohmarkt stöbern Tausende, in witzigen Boutiquen wie „Annagramma“ ersteht man romantische Insel-Kleider, um zum Abschluss im Öko-Deli der Deutschen Katja Wöhr gewürztes Natursalz und die neuen Insel-Weine zu verkosten. Kann der Herbst noch schöner werden?

Tags: , , , November 25th, 2015 Posted in Spanien

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