Von der Geschichte Kolbergs bis hin zur Kur Kolberg in Polen

Die Hafenstadt Kolberg in Polen ist heute vor allem als Seebad und Kurort bekannt und nicht nur für Erholungssuchende ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Kolberg unter dem Namen Salsa Cholbergiensis als Bischofssitz im Jahre 1000. Eine Siedlung befand sich an der Stelle Kolbergs wohl schon im 7. oder 8 Jahrhundert. 1255 wurde Kolberg infolge der deutschen Ostkolonisation etwa zwei Kilometer nördlich neu angelegt. Die bestehende Siedlung wurde fortan als Altstadt-Kolberg bezeichnet. Das neue Kolberg erhielt das Stadtrecht. Der alte Ort verlor nicht zuletzt durch die Verlegung der Marienkirche ins neue Kolberg immer mehr an Bedeutung.
Etwa um 1300 herum begann der Bau des Kolberger Doms, der heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Kolbergs zählt.
Kolbergs Einwohner lebten vor allem vom Seehandel, der Fischerei und dem Abbau der reichen Salzvorkommen. Von 1361 bis 1610 war Kolberg Mitglied der Hanse und brachte es zeitweise zu einigem Wohlstand und verfügte seit Beginn des 14. Jahrhunderts über ein eigenes Münzrecht. 1530 erreichte die Reformation Kolberg, der Kolberger Dom wurde evangelisch.

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Die Pest und die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges bewirkten eine Entvölkerung Kolbergs. Bis ins 19. Jahrhundert hinein kam es zu zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen um die Stadt, Belagerungen führten zu Hungersnöten. Die erfolgreiche Abwehr der letzten Belagerung 1807 durch Napoleon wurde später legendär und brachte vor allem dem Bürgervorsteher Joachim Nettelbeck und dem damaligen Kommandanten August Neidhardt von Gneisenau Berühmtheit. Nach dem Wiener Kongress wurde Kolberg dem Kreis Fürstenthum des Regierungsbezirks Köslin der preußischen Provinz Pommern angegliedert. 1872 wurde Kolberg Landratssitz des neuen Landkreises Kolberg-Köslin, verließ den Lnadkreis jedoch 1920 und bildete einen eigenen Stadtkreis.
Nach den schweren Bevölkerungsverlusten der Belagerungszeiten erlebte Kolberg im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Aufschwung, mit dem nahezu eine Verdopplung der Bevölkerungszahlen einherging. Daran hatte die Entwicklung hin zu Kolbergs zu einem bedeutenden und bei den Gästen beliebten Moor-, See- und Solebad einen erheblichen Anteil. Die überwiegende Mehrzahl der Kurgäste kam damals aus Berlin, doch auch in den polnischen Gebieten Preußens und in Österreich und Russland genoss Kolberg Polen einen guten Ruf.
Der Zweite Weltkrieg bewirkte einen erneuten Niedergang Kolbergs, in der Schlacht um Ostpommern 1945 wurden 90% der Stadt zerstört. Fast alle Einwohner und eine Vielzahl von Flüchtlingen konnten jedoch auf dem Seeweg evakuiert und gerettet werden.
Lebten 1939 noch fast 37.000 Deutsche in der Stadt, so war deren Anzahl nach Vertreibung und Flucht nun auf etwas über 2000 gesunken. Zahlreiche Polen zogen nun in die jetzt Kołobrzeg genannte Stadt und begannen mit dem mühsamen Wiederaufbau. Langsam erholte sich Kolberg von den Folgen des Krieges, die Bevölkerungszahl stieg wieder an. Konnte die Stadt 1950 7000 Einwohner verbuchen, so waren es 1960 schon 17000.
Fand der Wiederaufbau zunächst vor allem in Form von Plattenbauten statt, so kam es 1975 zu einer baupolitischen Wende. Ans frühere Straßenraster angelehnt baute man ab jetzt wieder vornehmlich kleinere Häuser, was sich sehr positiv auf das Stadtbild auswirkte. In jüngerer Zeit orientiert man sich vor allem im Stadtzentrum auch architektonisch wieder vermehrt an früheren Baustilen, was wohl auch zu einem Anstieg des Fremdenverkehrs beigetragen haben dürfte.
Heute ist Kolberg eine lebhafte Stadt mit knapp 45000 Einwohnern und wieder ein beliebtes Moor-, Sole-, und Seebad. Zahlreiche Kurgäste nutzen das hervorragende und gesundheitsfördernde Angebot im Kurviertel der Stadt. Aber nicht nur für Kurgäste ist Kolberg ein beliebtes Reiseziel, auch Städtetouristen und Badeurlauber zieht die Stadt an. Kolberg bietet Besuchern eine Reihe von Sehenswürdigkeiten. So lohnt beispielsweise ein Besuch von Altstadt-Kolberg, heute Budzistowo genannt, der alten Burganlage, die bis zum ‚Umzug’ Kolbergs im 13. Jahrhundert Standort Kolbergs war. Natürlich ist auch der Kolberger Dom mit seiner wechselhaften Geschichte einen Besuch wert. Auffällig ist der ungewöhnliche Turm des Doms, der sich über die gesamte Breite des Gebäudes erstreckt und aus der Verbindung zweier Türme entstanden ist. Auch das 1832 nach Entwürfen des bekannten Architekten Karl Friedrich Schinkel erbaute Rathaus dürfte das Interesse von Besuchern wecken.

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Eines der Wahrzeichen der Stadt ist zweifelsohne der Leuchtturm. Er gehört zu den nach dem Zweiten Weltkrieg als erste wieder errichteten Gebäuden der Stadt und steht auf den Resten alter Verteidigungsanlagen des Hafens. Am Meer befindet sich auch eine weitere Sehenswürdigkeit Kolbergs, die Seebrücke, die mit 220 zu den längsten Betonseebrücken Polens zählt.
Auch einige Museen laden Besucher ein, in ihren Räumlichkeiten Interessantes über die wechselvolle Geschichte der Stadt zu entdecken.
Kolberg ist aber nicht nur eine Stadt mit Sehenswürdigkeiten, das bunte und lebhafte Angebot an Läden, Kneipen und Cafés kann sich durchaus mit dem Angebot weit größerer Städte messen und macht die Stadt auch zu einem Anziehungspunkt für Shoppingtouren und Städtetrips.
Ein Schwerpunkt ist aber natürlich immer noch das vielfältige Kur- und Wellnessangebot. Parallel zum Strand erstreckt sich im Norden Kolbergs das sogenannte Kurviertel. Hier finden Erholungssuche ein vielfältiges Angebot aus Sanatorien, Kurhotels, Bädern und weiteren Einrichtungen im Gesundheitsbereich. Vor allem die reichen Vorkommen an Heilmoor in der Umgebung und die zahlreichen Salzquellen und ihr Heilwasser machen Kolberg zu einem beliebten Anziehungspunkt für Kurwillige und Erholungssuchende. So spielt das Salz, das in der Geschichte Kolbergs immer prägend war und seinen Aufschwung zur Fischerei- und Handelsstadt begründete, auch heute noch eine bedeutende Rolle. Besucher können sich übrigens nicht nur bei den verschiedenen Kuranwendungen vom Kolberger Salz verwöhnen lassen, in der Stadt befindet sich auch eine kleine Salzquelle, an der sich jeder selbst etwas von dem berühmten Heilwasser abfüllen kann.
Kolberg bietet aber auch eine Fülle von Freizeitmöglichkeiten, die neben dem Kurbetrieb Besucher in die Stadt und die Umgebung locken. So kann vor der Stadt in der Ostsee nach den vielen Wracks getaucht werden, die in 15 bis 40 Metern Tiefe vor der Küste liegen. Die Umgebung gilt auch als Radfahrerparadies. Mit dem eigenen oder einem vor Ort gemieteten Fahrrad kann man hier auf entspannte Entdeckungstouren gehen. Ausgedehnte Parks und Grünanlagen bieten sich für weitläufige Spaziergänge an und in Budzistowo (Altstadt-Kolberg) bietet sich eine große Sportanlage für zahlreiche sportliche Aktivitäten wie Squash und Fitness-Training an. Das gesunde Reizklima der Ostsee und der kilometerlange Strand tun ein Übriges, um Kolberg zu einem vielseitigen Urlaubsort zu machen, der jedem etwas zu bieten hat und die Stadt zu einem beliebten Anziehungsort für Reisende mit den verschiedensten Interessen macht.

Tags: , , Oktober 28th, 2015 Posted in Kolberg

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