Ein altes Heilverfahren wird wieder beliebt – Blutegelbehandlung

Die Behandlung mit Blutegeln ist ein sehr altes Heilverfahren. Schon etwa 470 vor Christus wurde von Therapieversuchen mit Blutegeln berichtet. Die Erfolge wurden lange Zeit mündlich überliefert, so dass bis heute nicht alles gesichert ist. Alle Erkenntnisse, die jedoch aus der damaligen Zeit stammen, haben bis heute Gültigkeit.

Dennoch hatte die Blutegeltherapie im 19. Jahrhundert eine Krise. Das lag auch daran, dass man die Blutegeltherapie in Europa völlig übertrieb und viel zu viele Tiere einsetzte, was in Extremfällen sogar zum Tod der Patienten geführt hat.

Als dann die Kenntnisse über Hygiene zunahmen, begann man den Einsatz von Blutegeln erneut kritischer zu sehen. Das lag nicht daran, dass die Tiere aus unsauberen Gewässern stammten, sondern dass es Tiere waren, wobei man prinzipiell davon ausging, dass Tiere unhygienisch sind, ohne zu berücksichtigen, dass Menschen auch nicht keimfrei sind. So vermutete man, dass Blutegel mit dem Biss gefährliche Bakterien übertragen. Das ist heute widerlegt. Eine Übertragung von Krankheiten kann so gut wie ausgeschlossen werden.

Heute stammen die verwendeten Blutegel aus speziellen Zuchten. Blutegel sind in der Haltung sehr anspruchsvoll, und sie können nur in sehr sauberen Gewässern überleben. Solche Gewässer gibt es nur noch sehr wenige, weshalb man dazu übergegangen ist, die Blutegel in Aquarien zu züchten.

Problematisch ist der Umgang mit den Tieren, die einmal in der Medizin eingesetzt werden. Sie müssen nach der Behandlung getötet werden, bzw. dürfen nicht ein zweites Mal verwendet oder in der Natur ausgesetzt werden. Es gibt aber inzwischen therapeutische Einrichtungen, die tiergerechte Lösungen gefunden haben und die ausgemusterten Blutegel in hauseigenen Teichen ein tiergerechtes Dasein ermöglichen.

Blutegel haben verschiedene Einsatzgebiete. Sie helfen besonders dort, wo eine Erkrankung zum Stillstand gekommen ist. Dazu gehören zum Beispiel Krampfadern und auch Venenentzündungen. Bei einem ausgiebigen Kur-Urlaub setzt man in den Kurhäusern Blutegel unterstützend bei Arthrosen, Bluthochdruck, Rheuma, Muskelverspannungen ein. In den meisten Fällen wird vorher eine naturheilkundliche Behandlung vorangestellt. Die Blutegel werden direkt an den schmerzenden Stellen angesetzt.

Blutegel beißen nicht immer sofort. Sie sind wählerisch und bei Rauchern kann es passieren, dass sie gar nicht beißen wollen. Blutegel mögen außerdem keine Luftdruckschwankungen und keinen hektischen Umgang.

Der Therapeut nimmt sie vorsichtig und langsam aus dem Becken und legt sie dort an, wo sie beißen sollen. Normalerweise wird ein Glas darüber gehalten, damit das Blutegel nicht weiter wandert. Der Biss ist nicht schmerzhaft, aber fühlbar. Manche Patienten spüren ein leichtes Brennen. In einigen Fällen muss die Haut kurz angeritzt werden, damit das Tier angeregt wird. Haben die Blutegel sich vollgesaugt, so fallen sie von allein ab.

Das dauert zwischen einer halben Stunde und eineinhalb Stunden. Zeitdruck ist bei einer Blutegelbehandlung immer falsch. Das Blutegel saugt gut zehn Milliliter. Da der Biss Einfluss auf die Blutgerinnung hat, blutet die Bissstelle noch einige Zeit weiter. Die nachblutende Menge von etwa 40 Millilitern ist nicht unerheblich, weshalb auch nicht mehr als acht Blutegel zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Das Nachbluten ist wichtig und gehört zur Behandlung dazu. In den meisten Fällen genügt eine einzige Behandlung um einen Heilerfolg über längere Zeit zu erzielen.

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