Das ehemalige Fischerdorf Bodrum – das Saint-Tropez der Türkei

Bodrum – seine Glanzzeit hatte diese Stadt in der Antike. Danach gab es viele Jahrhunderte nicht wirklich viel zu berichten. Still ging es zu an der Südwestküste Kleinasiens. Heute zählt das ehemalige Fischerdorf rund 30 000 Einwohner. Es liegt am Übergang vom Festland zu einer Halbinsel der östlichen Ägäis.

Wenn das Wetter klar ist, dann kann man vom Strand aus zur griechischen Insel Kos herüberblicken. Dabei hat man fast den Eindruck, dass die im 15. Jahrhundert entstandene Johanniter-Burg nur errichtet wurde, um später zu einem hervorragenden Postkarten-Motiv zu werden.

Eigentlich war Bodrum bis in die 50er Jahre eher ein vollkommen verschlafenes Nest. Doch dann wurde es vom türkischen Schriftsteller Cevat Sakir entdeckt und auch in den Büchern beschrieben. Er pries in seinen Büchern die Ruhe und die Abgeschiedenheit an, und zunächst fühlten sich davon nur die Reichen und Einflussreichen aus dem eigenen Lande, der Türkei, angezogen. Danach interessierten sich auch die Wohlhabenden aus aller Welt für Bodrum. Für die gewöhnlichen Touristen erwies sich dies als Glücksfall, denn hier begann man frühzeitig, nach einem Kompromiss aus leiser Noblesse und auch wirtschaftlicher Entwicklung zu suchen. Bodrum verbaute sich nicht mit unansehnlichen Bettenburgen den guten Ruf, hier wurde das Wachstum rechtzeitig gedrosselt.

Bereits seit den 80er Jahren gibt es die Vorschrift, dass neue Häuser nicht mehr als zwei Stockwerke haben dürfen. Um der Stadt einen mediterranen Gesamteindruck zu verschaffen, wird als Anstrich für die Außenwände der Häuser weiß vorgeschrieben. So entstand hier ein unaufdringliches Urlaubsziel, das noch dazu erschwinglich ist. Heute kann sich Bodrum sogar damit brüsten, die „türkische Côte d´Azur“ zu sein. An den weißen Sandstränden sonnen sich heute bereits die Designerin Donna Karan und auch die Schauspieler Jeremy Irons und Michael J. Fox.

Etwa 50 Kilometer nördlich von Bodrum liegt die kleine Stadt Milas. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der Markt für Textilien ist hier ein beliebter Punkt für die Reisenden. Hier kann man in den Nebenstraßen noch die unbekannte Seite der Türkei erleben, den stillen Alltag entfernt vom Glamour in Bodrum.

Alte Häuser, knorrige Weinreben, enge Gassen, Sattler die Decken und Geschirre für Esel herstellen, und natürlich Wasserpfeife rauchende Männer in Cafés, all das kann man hier sehen. Bei Mokka und Ayran, einem schaumigen Joghurtgetränk, haben die Menschen viel Muße. Milas scheint, behäbig wie es ist, Jahrzehnte weit entfernt.

Und gerade dann beginnt auf der Cumhuriyet Caddesi, der „Bar-Straße“ von Bodrum, das Nachtleben. Urlauber bummeln durch die Geschäfte, sie besuchen Restaurants oder fahren mit dem Katamaran zu einer Party auf dem Meer, wo man auf einer Tanzfläche aus Kunstglas die Nacht in der Bucht durchtanzen kann. Trotz des beginnenden Trubels behält Bodrum immernoch seine freundliche Eleganz. Man merkt hier überall, dass Bodrum Besucher gewohnt ist, die Klasse haben, und die Menschen begegnen jedem zuvorkommend. Das gilt natürlich ebenso für diejenigen, die nicht berühmt sind. So sollte es sein, und genau das macht Bodrum als Urlaubsort so sympathisch.

Tags: , , , , , September 9th, 2015 Posted in Türkei

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