Alle Regionen und Kantone der Schweiz weisen unterschiedliche Arten und Formen von Kulturen und Bräuchen auf. Daher muss man wohl mehr als einmal in die Schweiz reisen, um die Vielzahl an kulturellen Anlässen kennen lernen zu können. Die regionalen Bräuche werden von vielen Vereinen in der gesamten Schweiz aufrechterhalten. Schweizer Bräuche umfassen in erster Linie Dichtung, Theater, Tanz, Musik, Stickarbeiten und Schnitzerei.
Das Jodeln, was als typisch für die Schweiz bezeichnet wird, war ursprünglich auf nur ein paar Bergregionen begrenzt, ähnlich wie das Alphorn. Das trompetenähnliche Blasinstrument hatte vor dem Aufkommen des Tourismus´ nur eine kleine Verbreitung. Heute aber sind das Jodeln und das Alphorn der Inbegriff der Schweizer Volksmusik.
Schweizer Schnitzereien werden häufig zur Verzierung von alltäglichen Objekten benutzt, wie bei Melkstühlen, Holzlöffeln oder Gehstöcken. Oft werden aber auch Figuren geschnitzt, meist sind es Krippenfiguren. In einigen Regionen der Schweiz werden mit Schnitzereien auch die Fassaden der Häuser verziert.
Die Stickerei hat in der Schweiz ebenso eine lange Tradition. Sie wird vor allem bei der Verzierung von Trachten eingesetzt. Früher war die Stickerei ein bedeutender Heimindustriezweig, heute hingegen werden nur noch in wenigen Firmen die berühmten St. Galler Stickereien produziert. Diese Stickereien sind nicht nur in der Haute Couture beliebt. Ebenfalls berühmt ist die Schweiz für ihre Spitzen und das schon seit dem 19. Jahrhundert. Die Spitzen finden primär Verwendung in den Sonntagstrachten der Frauen, aber auch in der viktorianischen Modewelt spielten sie schon eine Rolle.
In der Schweiz gibt es nur wenige Gemeinschweizerische Volksfeste, die meisten finden eher selten statt, wie die Fête des Vignerons und die Landesaustellung, beide Ereignisse finden nur alle 25 Jahre statt. Dies ist so, da jede Region ihre eigenen Volksfeste hat, die regelmäßig gefeiert werden. Die bekanntesten, jährlich stattfindenden Feste sind die Basler Fastnacht, die Fête des Vendanges, das Sachsilüüte und der Berner Zibelemärit.
Nikolaus und Weihnachten feiern die Schweizer wie die Deutschen. Den Kindern wird das Warten auf das Weihnachtsfest durch einen Adventskalender verkürzt. Erwachsene vertreiben sich die Zeit bis zum großen Fest auch gerne auf Weihnachtsmärkten mit einem Glas Glühwein. In der Schweiz waren Weihnachtsmärkte nicht immer so beliebt wie in Deutschland, aber mittlerweile finden sie immer mehr Anklang. Am Heiligen Abend sitzt dann die ganze Familie vor einem Weihnachtsbaum zusammen und genießt ein leckeres Weihnachtsessen, das auch von Region zu Region variieren kann.
Klischees gibt es über jedes Land genug, nicht anders ist es da bei der Schweiz. Schweizer gelten als freiheitsliebend, langsam und ein wenig verschlossen. Ihnen wird nachgesagt ruhig, diskret, zurückhaltend und auch kalt zu sein. Gefühlsausbrüche in der Öffentlichkeit sind eher selten und man drängt sich nicht ins Leben anderer. Hinzu kommen noch ein Hang zur Genauigkeit und Detailverliebtheit, was nicht unbedingt negativ sein muss. Oft sagt man auch, dass Schweizer keine Ironie oder schwarzen Humor verstehen, darum muss man vorsichtshalber immer erklären, dass alles nur als Spaß gemeint ist. Schweizer lachen nie über sich selbst oder Schweizer Witze, deshalb sollte man in Witzen das Wort Schweizer lieber durch Österreicher ersetzen.
Die meisten Frauen in der Schweiz heißen Heidi und die Männer Emil, sie produzieren den ganzen Tag Schokolade und Uhren. Wenn sie nicht gerade jodeln, waschen sie das Geld von Verbrechern. Dies sind wohl die gängigsten Klischees.
Was wohl schon jedes Kind über die Schweiz gehört hat, ist dass sie neutral ist und wohl das Motto hat „Nicht dabei sein ist alles“. Zweimal schon haben die Schweizer den Beitritt in die EU verweigert, dabei stimmen sie doch so gerne in Volksabstimmungen über die ausgefallensten Themen, wie „besserer Rechtsschutz für Tiere“, „Ja zur Komplementärmedizin“ oder „Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen“ ab.
In der Schweiz gibt es zwar vier Amtssprachen, aber das Schwyzerdütsch kann man als Deutscher relativ gut verstehen und es wird einfach alles auf der ersten Silbe betont. Wer so denkt, sollte es lieber lassen sich in Schweizerdeutsch zu versuchen, denn im richtigen Dialekt haben sogar die Deutschschweizer untereinander Verständigungsprobleme. Dies liegt daran, dass sich die vielen alemannischen Ortsdialekte stark voneinander unterscheiden.
Es gibt keine Gemeinschweizerische Tracht, denn jeder Kanton hat seine eigene Tracht und auch innerhalb eines Kantons gibt es oft noch regional unterschiedliche Frauentrachten, es gibt quasi überall Wertags- und Festtagstrachten. Zu den bekanntesten Festtagstrachten gehört die Engadinertracht aus rotem Wollstoff und die schwarze Bernertracht mit reichem Silberschmuck. Im Kanton Zürich ist das Burefeufi, die Tracht des Knonauer Amtes oft zu sehen. Diese Tracht hat eine am Rücken V-förmig gebundene Schürze. Ebenfalls häufig im Kanton Zürich zu sehen ist die Wehntalertracht, die sich durch eine leuchtend blaue Schürze auszeichnet.
Die bekanntesten Männertrachten sind die Appenzeller Sennentracht mit gelben Hosen, einer bestickten blauen Trachtenbluse und einem silbernen Löffel am Ohr und der Berner Mutz, eine kurzärmlige, schwarze Samtjacke, die bestickt ist.
Die Schweizer Bevölkerung ist für einen eher zurückhaltenden Stil bekannt. Sie schätzen Zuverlässigkeit und vor allem Pünktlichkeit. Im Vergleich zu Deutschen sind Schweizer nicht so direkt und haben eher eine weiche sprachliche Ausdrucksform. In der deutschsprachigen Schweiz begrüßt man sich meist per Handschlag. Umarmungen und Küsse auf die Wange sind eher im privaten Bereich und im französischen und italienischen Teil der Schweiz üblich.
Im Geschäftsleben sind Hierarchien nicht stark ausgeprägt, trotzdem werden Titel in der schriftlichen, wie auch mündlichen Anrede verwendet.
Ist man bei einem Schweizer zu Besuch, ist ein Gastgeschenk immer zu empfehlen, allerdings sollte man beachten, dass rote Rosen nur der eigenen Partnerin geschenkt werden und weiße Astern nur für Begräbnisse und keine anderen Anlässe verwendet werden.
In jedem Urlaubsland lauern Fettnäpfchen, in die man laufen kann. Damit Ihnen das nicht passiert gibt es nun ein paar Tipps für Dinge die man lieber nicht tun sollte und Dinge die man unbedingt beachten muss.
Freies Zelten ist in der Schweiz verboten. Wer sein Zelt in der freien Landschaft aufstellt, der muss mit einer Strafe rechnen. Auch wer sein Wohnmobil am Straßenrand abstellt wird bestraft, denn die Übernachtung im Wohnwagen ist neben Campingplätzen nur auf ausgewiesenen Parkplätzen erlaubt.
Auch wenn Schweizer sie auf der Straße überholen, halten sie sich strikt an alle Verkehrsschilder und besonders an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Jeder Verstoß wird von der Polizei geahndet. Wer bei einem Autotrip durch die Schweiz Schneeketten vergisst, läuft Gefahr nach starkem Schneefall selbst in den Tälern nicht voran zu kommen.
Die Schweizer sind zwar dafür bekannt, dass sie gerne Verkleinerungsformen benutzen, z.B. Kässeli für Kasse, aber man sollte das Wort Franken nie verkleinern in Fränkli. Bezeichnungen wie Schtei, Schtutz und Eifränkler sind in Ordung.
Eine Parisienne ist eine Pariserin? Falsch, in der Schweiz heißt so eine bekannte Zigarettenmarke. In intellektuellen Kreisen gehört es zum guten Ton eine Parisienne zu rauchen.
Schweizer sollte man besser nicht als humorlos bezeichnen. Sicher gibt es einige Schweizer, die keinen Humor haben oder keinen verstehen, aus diesem Grund sollte man aber nicht alle in einen Topf werfen. Die Schweiz kann auf eine lange komödiantische Tradition zurückblicken, auch wenn der Schweizer Humor eher skurril und nicht immer offensichtlich ist.
Metzgete bedeutet zwar in der Schweiz Schlachtplatte, aber die Züri Metzgete hat nicht mit Wurst, Schweinshaxen und Speck zu tun. Das Züri Metzgete ist das einzige alljährlich stattfindende Weltcup-Radrennen der Schweiz, es findet in der Umgebung von Zürich statt.
Typische Sprichwörter und Redewendungen, die man in der Schweiz oft hört.
Bschow z'Schwinggi, nit der Trog
dt.: Schau dir das Schwein an (ob es fett ist), nicht den Trog (ob er voll ist).
Chasch nit z'Füfi und z'Weggli hä
dt.: Du kannst nicht den 5 Räppler und die Semmel haben.
Bedeutung: Man muss sich für das Eine oder das Andere entscheiden.
Däm chalberet no dr Schiitstock!
dt.: Jenem kalbt noch der Holzhackklotz!
Bedeutung: Jemand hat so viel Glück, dass ihm nicht nur die Kühe sondern sogar der Holzhackklotz Kälber wirft.
Dä dümmschdi Buur hät die gröschdä Härdöpfel!
dt.: Der dümmste Bauer hat die größten Kartoffeln!
Ä grobi Schnuer hätts o tah!
dt.: Eine grobe Schnur würde genügen.
Bedeutung: Wird gesagt wenn etwas stumpf ist (z.B. Messer) da es so gut schneidet wie eine dicke Schnur (Seil).
Äs isch no gschnäu mau öppis imänä Mönsch innä!
dt.: Es ist schnell etwas in einem Menschen drin!
Bedeutung: Man wird schneller schwanger, als man denkt!
D'r schnäller isch d'r gschwinder.
dt.: Der Schnellere ist der Geschwindere.
Bedeutung: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Das macht der Braate emu nid feiss.
dt.: Davon wird der Braten jedenfalls nicht fett.
Bedeutung: Dies macht noch nicht viel aus.
Bis de geit no hüffu Wasser de Rottu emab.
dt.: Bis dahin fließt noch viel Wasser die Rhone (Fluss) hinunter
Bedeutung: Es dauert noch lange bis dieses oder jenes passiert.
A sitzunde Saager isch glich vil wärt wie en liggunde Schiisser.
dt.: Ein sitzender Säger ist gleich viel wert wie ein liegender Scheisser.
Bedeutung: Um eine Arbeit gut zumachen, muss man schon aufstehen/sich bemühen
Uf alte Pfannä lehrt me choche.
dt.: Auf alten Pfannen lernt man kochen.
Em Tüüfel es Ohr ab gloge.
dt.: Dem Teufel ein Ohr weggelogen.
Bedeutung: Eine grosse Lüge erzählt bzw. pausenlos gelogen
Froge darf me, wenn me d'Antwort nid schüchet.
dt.: Fragen darf man, wenn man die Antwort nicht scheut.
Frage chostet nüt.
dt.: Fragen kostet nichts.
S'git nüt wo's nit git.
dt.: Es gibt nichts, was es nicht gibt.
S'isch gnueg Heu donde/dobe.
dt.: "Es ist genug Heu unten/oben.
Bedeutung: Es reicht!
Wenn der Gaagu volle ischt sind d'Chriese räki.
dt.: Wenn der Bauch voll ist sind die Kirschen bitter.
Bedeutung: Jemand wird wählerisch, wenn er schon genug hat.
Z'Gfräsna- z'Vergäsna
dt.: "Das Gefressene- das Vergessene."
Bedeutung: Was man an Gutem bekommen hat vergisst man schnell.
Riemt der Göüch so tüet der Nol.
dt.: Lobt der Trottel, so tut der Narr.
Bedeutung: Um einen Narren dazu zu bringen etwas zu tun, muss man ihn nur loben und das ist nicht schwer (jeder Trottel kann es).