Probiotika – nicht nur gut bei Infekten [ Mai 22nd, 2012 ] Posted in » Gesundheit
In den Regalen der vielen Supermärkte haben sie schon lange ihren festen Platz gefunden. Die Rede ist von den vielen probiotischen Produkten, die es heute gibt. Joghurts oder auch Trinkjoghurts, viele andere Milchprodukte oder auch Müslis sind heute probiotisch zu bekommen. Was diese Produkte so besonders macht? Ganz einfach, sie enthalten jede Menge Bakterien, die sowohl der Magensäure widerstehen als auch den Verdauungsenzymen, und so gelangen sie noch lebend in den Darm. Sind sie dort erst einmal angekommen, sollen sie sehr vielseitig der Gesundheit etwas Gutes tun.
Die Milchsäurebakterien, die hier am meisten zum Einsatz kommen, sind die Gattungen Bifidobacterium und Lactobacillus. Diese Bakterien siedeln sich im Darm an, genauer gesagt im Dickdarm, und dort gesellen sie sich dann zu den anderen Darmbakterien, die dort bereits vorhanden sind. Zusammen mit diesen können sie dann die Mehrheitsverhältnisse in eine sehr gute Richtung schieben.
Eine sehr lange Zeit hatte man keinerlei Ahnung davon, wie wichtig gerade diese Darmbakterien sind, wenn es um die Gesundheit geht. Allerdings sind die Forscher nun seit einigen Jahren in der Lage, die Lebensweise dieser Darmbakterien zu erforschen. Dabei kamen teilweise sehr erstaunliche Erkenntnisse hervor. Sehr faszinierend ist auf jeden Fall, dass zwischen dem Immunsystem und dem Darmbakterien offensichtlich eine Art von „Gesprächen“ stattfindet, und diese führen dann letztendlich dazu, dass Bakterien, die den Körper krankmachen, weitaus weniger Chancen bekommen, sich im Körper einfach einzunisten. Die Darmbakterien verdrängen diese Eindringlinge von den Andockstationen, die in der Darmschleimhaut liegen. Gleichzeitig produzieren sie auch Stoffe, die den Eindringlingen so richtig den Garaus machen. Dazu veranlassen sie auch noch die Bildung von sehr schlagkräftigen Immunzellen, und diese stärken dann die Infektabwehr des Körpers.
Es sind genau diese Wirkungen, die sich immer bemerkbar machen, wenn es um die typischen Winterinfekte geht, so wie beispielsweise Husten, Bronchitis oder auch Schnupfen. Hierzu gibt es eine ganze Zahl an Studien die zeigen, dass derjenige, der Probiotika einnimmt, seltener erkrankt an Infekten der oberen Atemwege. Sollte derjenige doch erkranken, dann ist der Verlauf der Erkrankung weniger heftig und man übersteht sie auch schneller. Gerade bei Kindern ist es so, dass dies dazu führt, dass weniger Antibiotika verschrieben werden, und auch die Fehlzeiten im Kindergarten werden weniger. Kein Wunder also, dass auch viele Kurhotels heute bei ihren angebotenen Kurreisen darauf achten, dass die Verpflegung dementsprechend ausfällt, dass auch genug probiotische Produkte dabei sind.
Diese Wirkung bei Winterinfekten ist mittlerweile belegt, aber noch um einiges besser belegt ist die Wirkung der Darmbakterien auf Durchfallerkrankungen. Das Risiko dafür kann durch Probiotika verringert werden, und auch die Dauer kann durchaus um einen Tag reduziert werden. Im Geltungsbereich sind hier virusbedingte Durchfälle, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen, Reisedurchfälle aber auch Durchfälle, die auftreten nach der Einnahme von einigen Antibiotika.
Sicherlich sehr interessant ist auch, dass Impfungen erfolgreicher verlaufen, wenn die Darmbakterien durch Probiotika unterstützt werden. Auch dies konnte bereits in vielen Studien gezeigt werden.
Für diese Studien wurden die Probanden geimpft, und zwar mit dem Rotavirus, das Durchfall auslöst, gegen Grippe und auch gegen Kinderlähmung. Mehr Antikörper bildeten sich in den Gruppen, die auch Probiotika einnahmen. Dies ist eine sehr gute Reaktion, die positiv zu werten ist, denn der Infektionsschutz ist dadurch einfach besser.
Der Grund dafür, dass es heute bereits einige Studien gibt liegt darin, dass es jetzt die sogenannte Functional-Food-Verordnung gibt der Europäischen Union. Wenn Lebensmittel einen Nutzen versprechen im gesundheitlichen Bereich, dann muss dieser auch wissenschaftlich belegt werden.
Trotz all dieser vielversprechenden Wirkungen gibt es auch ein paar Einschränkungen. Eine ist, dass sich diese Probiotika nicht auf Dauer ansiedeln können im Darm, daher müssen sie täglich zugeführt werden in einer ausreichenden Dosis. Ausreichend sind hier schon Mengen, die in handelsüblichen Portionsgrößen angeboten werden. Eine weitere Einschränkung ist, dass jeder dieser Bakterienstämme einen ganz eigenen Effekt hat, und somit gelten diese nicht für einen anderen Stamm. Daraus resultiert, dass man die positiven Ergebnisse aus den Studien nicht verallgemeinern kann.


