Körperlicher Hunger versus emotionaler Hunger
Die Tüte Nachos mit Dip nach einem nervenaufreibenden Arbeitstag. Die Tafel Schokolade nach dem Streit mit dem Partner. Der Nachschlag-Teller von Mama, die darauf besteht, dass wir auch jenseits der Pubertät noch groß und stark werden müssen. Es gibt viele Situationen, in denen wir essen, obwohl wir gar nicht hungrig sind – und uns dabei die Kilos zu viel anfuttern, die dann wiederum die Lust am Blick in den Spiegel vermiesen. Mediziner, Psychologen und Ernährungswissenschaftler nennen neben Genen, Hormonen und Lebenswandel auch unser Seelenleben als eine Ursache von Übergewicht. Schon Säuglinge erleben, dass Trost, Geborgenheit und andere positive Gefühle oft mit Nahrungsaufnahme einhergehen. Und so essen wir auch als Erwachsene gern mal Trüffel gegen Liebeskummer oder Chips gegen Existenzängste.
Oft fressen wir Frust und Wut nicht nur sprichwörtlich in uns hinein und nehmen deshalb kräftig zu. Um diesen emotionalen Hunger zu durchschauen und zu steuern, muss man zuerst lernen, körperlichen und emotionalen Hunger voneinander zu unterscheiden. Das körperliche Bedürfnis zu essen spürt man unterhalb des Solarplexus – dem Nervengeflecht im Bauch, das bestimmte Funktionen von inneren Organen reguliert. Emotionaler Hunger hingegen wird oberhalb des Solarplexus wahrgenommen, oft als eine Art Gewicht auf der Brust.
In dafür vorgesehenen Seminaren sollen Klienten in einer Übung bei starkem Essensdrang die Augen schließen und versuchen, den Hunger zu lokalisieren und zu visualisieren. Handelt es sich um Ersatzhunger, melden sich mit den körperlichen Symptomen auch Gefühle, die überraschend stark sein können, etwa Trotz, Traurigkeit oder Wut. Viele Klienten berichten über Hilflosigkeit. Sie fühlen sich wie fremdgesteuert und essen einem Automatismus folgend weiter, obwohl sie satt sind.
In solchen Seminartherapien gehen sie Glaubenssätzen und Familientraditionen aus der Vergangenheit auf den Grund. So lernen die Klienten Schritt für Schritt, mental und auch physisch auf ihr Hungergefühl zu reagieren – mit Bewegungen, Berührungen, Körperhaltungen. Für jeden gibt es eine individuelle Lösung, abhängig von Emotionen, Gefühlen und individuellen Problemen.



