Geheimnisvolle Orte in Marrakesch
Und wieder mal geht die Post ab in Marrakesch. Laut wummern die Bässe im „Pacha Club“, der im Stil einer marokkanischen Lehmburg erbaut ist. Auch im „Le Paradise“ dreht der Discjockey nach Mitternacht noch mal so richtig auf.
Wir haben uns spontan verliebt in die „Rote Perle des Südens“, wie die Stadt, malerisch vor der schneeweißen Kulisse des Hohen Atlas gelegen, schon seit alters her schwärmerisch genannt wird.
Um dem Zauber Marrakesch zu erliegen genügt es, am späten Nachmittag zum Jemaa el Fna zu schlendern. Dies ist jener Platz im Herzen der Altstadt, der sich gegen sechs Uhr wie auf ein geheimes Kommando hin in eine riesige Freilichtbühne verwandelt: Aus den Seitengassen strömen fliegende Händler, Gaukler und Märchenerzähler. Kleine Garküchen werden heran gekarrt, wenig später zieht der Duft von gegrillten Hammelspießen durch die Luft.
Besucher, denen es gelungen ist, einen Platz auf der Terrasse des „Café Glacier“ am Rande des Jemaa el Fna zu ergattern, fühlen sich wie Zaungäste in einer fremden Welt, während sie ihren süßen Pfefferminztee schlürfen und schweigend staunen.
Und wieder lacht am nächsten Tag die afrikanische Sonne vom Himmel. Wir bummeln durch das Gewirr der Basare und durch den Bahia-Palast, die einstige Residenz zweier Großwesire aus dem 19. Jahrhundert. In einer Pferdekutsche zuckeln wir hinaus zum Olivenhain der Menara, dessen Pavillon sich in einem riesigen Wasserbecken widerspiegelt.
Die prachtvolle Halle des Hotels „Mamounia“, in die man wenigstens einen kurzen Blick werfen sollte, dann die Koutoubia-Moschee mit ihrem 77 Meter hohen Sandstein-Minarett. Niemand, der sich der Magie dieser Stadt entziehen kann.
Ausspannen oder noch ein paar Tage Kultur? Das ist die Frage, die das Programm für die kommenden Tage betrifft.
Denn am Strand von Agadir locken bis in den Herbst hinein frühlingshafte Temperaturen, wenn auch das Wasser mit etwa 19 Grad im November den meisten etwas zu frisch zum Baden sein dürfte.
Viele Urlauber entscheiden sich deshalb für die beliebte Tour auf der Route der alten Königsstädte, die man über eine rund 1000 Kilometer lange Rundreise miteinander verbinden kann.
Über die vom 210 Meter hohen Minarett der Moschee Hassan II. überragte Hafenstadt Casablanca kommen wir in die von ockerfarbenen Mauern umschlossene Königsstadt Rabat am Atlantik. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören hier der Hassan-Turm, der Bezirk des Königspalastes und die auf einem Felsen gelegene Oudaia-Kasbah, das malerische alte Viertel von Rabat.
Meknes, zu dessen Schätzen das riesige Tor Bab al Mansour, ein Teil der alten Stadtbefestigung, und das Museum Dar Jamai, in dem arabisch-islamische Kunstwerke ausgestellt sind, gehören, ist die dritte Station auf der Route der Königsstädte.
Dann geht es über Fes mit der prunkvollen, über 1000 Jahre alten Karaouine-Moschee und dem unter UNESCO-Schutz stehenden Gassengewirr der Altstadt Fes-El-Bali wieder zurück in Richtung Marrakesch.
Wem diese Reise auf der Route der Königsstädte zu lange oder zu anstrengend ist, kann stattdessen zu einer drei- oder viertägigen Tour über den Hohen Atlas in den Süden starten.
Die Tour führt zunächst in vielen Serpentinen hinauf auf den 2260 Meter hohen Pass Tizi-n-Tichka, dann auf der anderen Seite des Gebirgszugs weiter entlang des Flusses Assif Ounila in Richtung Ouarzazate.
Bevor wir die berühmte Wüstenstadt erreichen, sehen wir auf der linken Seite des Flusses plötzlich eine der Lehmburgen, für die diese Region berühmt ist – die Kasbah Ait Benhadoou. Wie eine Fata Morgana erscheint uns das braune, verschachtelte Bauwerk im diffusen Licht des frühen Nachmittags.
Was hinter diesen Mauern im Lauf der Jahrhunderte wohl so alles vorgegangen sein mag? Es wird für uns immer ein Geheimnis bleiben. Wie so vieles in diesem Land, in dem man sich täglich in ein anderes Märchen aus 1001 Nacht versetzt glaubt.
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