Deutschland ist zu dick – Ernährungstipps und Irrtümer
Der Deutschen liebste Qual: Diät. Wir zählen Kalorien, kaufen Light-Produkte, machen Fastenkuren. Und trotzdem sind über die Hälfte aller Bundesbürger zu dick. Insulin ist der Schlüssel für eine gesunde Ernährung. Das Hormon wird ausgeschüttet, wenn Kohlenhydrate verdaut werden. Und es entscheidet, ob wir Pfunde ansetzen oder nicht, denn es verteilt den Blutzucker an die Körperzellen und speichert überschüssige Energie in den Fettdepots. Je weniger Insulin ausgeschüttet wird, desto besser kann der Körper nachts Fett verbrennen. Doch davon halten wir ihn, trotz aller Bemühungen, beständig ab. Denn wir essen zu oft, zu wenig und zu kleine Portionen. Im Detail: Ständiges Snacken und süße Getränke regen den Körper durch Insulinausschüttung laufend zur Fettspeicherung an. Auch Hungerkünstler, die sich mit unterkalorischen Diäten quälen, büßen dafür mit Hüftgold. Höchste Zeit also, mit den häufigsten Ernährungs-Irrtümern aufzuräumen.
Die Annahme, dass Kartoffeln dick machen, ist völlig falsch. Die Kartoffel hat völlig zu Unrecht ein schlechtes Image, denn sie liefert viel pflanzliches Eiweiß ohne Fett, dazu viele essenzielle Aminosäuren. Kartoffeln haben ein hohes Nahrungsmittelvolumen, man kann große Menge davon essen, ohne zu viele Kalorien zu sich zu nehmen. Kartoffeln füllen den Magen, machen über Stunden satt.
Obst liefert viele Vitamine, das ist soweit richtig. Doch zur falschen Zeit gegessen machen Früchte einem jedoch einen dicken Strich durch die Schlankheitsrechnung, denn Obst führt zu einer permanenten Insulinreduzierung. Wer abnehmen will, sollte daher abends kein Obst essen, der Fruchtzucker pusht die Insulinausschüttung, und die stoppt die Fettverbrennung in der Nacht.
Fettreduzierter Käse und Wurst erleichtern höchstens das Gewissen, auf die Waage haben sie jedoch kaum Auswirkungen. Häufig wird nur der Zusatz von Fett bei den Light-Produkten gemindert, der Kaloriengehalt bleibt durch die natürlichen Zutaten aber hoch, wie etwa bei Leberwurst. Und die Psyche isst mit. Gern langt man beim vermeintlich leichten Genuss mehrmals zu oder gönnt sich zur Belohnung für den Light-Ersatz Extra-Kalorien wie etwa einen Schokoriegel.
Pommes sind durchaus okay, durch die Fettverbindung der Kartoffelstärke lösen sie eine viel geringere Insulinreaktion aus als beispielsweise Vollkornbrot. Bevorzugen Sie Backofenpommes mit einem Fettgehalt von drei bis sechs Prozent.
Fasten ist zur Gewichtsabnahme absolut untauglich. Beim Heilfasten wird außer Flüssigkeit nichts Nahrhaftes zu sich genommen. Für den Organismus bedeutet das enormen Hungerstress. Sind nach zwei Tagen alle Zuckerreserven im Körper aufgebraucht, führt Fasten zum Abbau von überwiegend Muskelsubstanz, denn Muskeln sind die eigentlichen Fettverbrenner.
Wer schnell zunimmt oder übergewichtig ist, sollte sich auf drei Mahlzeiten am Tag beschränken. Bei häufigen Mahlzeiten wird laufend die Insulinausschüttung aktiviert, das führt zur dauernden Blockade der Fettverbrennung. Folge: Jede Zwischenmahlzeit, ob Apfel, Saftschorle oder Gummibärchen blockiert die Lipolyse (Fettverbrennung) für etwa fünf bis sieben Stunden.
Bei der „Ampelkennzeichnung“ von Lebensmitteln werden die Nährstoffe Fett, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz je nach Gehalt jeweils mit grün, gelb oder rot bewertet. Das solle Zucker- und Fettfallen entlarven. So werden leider hochgradig gesunde Ernährungsmittel gebrandmarkt: Hering, Lachs, Olivenöl etwa als zu fettig, Vollkornbrot zum Beispiel als zu salzhaltig.
Tiefkühlgemüse schneidet im Vergleich zu Supermarkt-/Marktgemüse besser ab. Das Schockfrieren, das die Industrie durchführt, erhält vor allem die B- und C-Vitamine deutlich besser. Ein Kopfsalat etwa, den man abends im Laden kauft, habe auf seiner Reise vom Gewächshaus, durch den Lkw-Transport und lagerungsbedingte UV-Licht-Einflüsse hingegen den Großteil an Vitaminen verloren.
Salz erhöht nicht den Bluthochdruck. Das haben Studien gezeigt. Bei einigen Menschen könne salzarme Ernährung sogar den Blutdruck ansteigen lassen. Bei Übergewicht empfiehlt sich allerdings eine salzreduzierte Kost, da der hohe Insulinspiegel den Blutdruck erhöht und die Salzausscheidung behindert.
Viele glauben, dass, wer nicht frühstückt, schnell schlank wird. Das ist leider falsch. Wer nicht frühstückt wird sogar schnell dick. Studien belegen, dass Frühstücksverweigerer ein hohes Risiko haben, übergewichtig zu werden. Denn ohne ausreichende Nahrungszufuhr am Morgen erreicht der Körper nicht die nötige Temperatur (37 Grad), damit der Stoffwechsel ausreichend Fett verbrennen kann. Grundsätzlich ist es falsch, Mahlzeiten auszulassen, da man damit Heißhunger-Attacken provoziert.
Eine dicke Lüge ist, dass Fett fett macht. Fleisch und Fett lösen eine nur mäßige Insulinausschüttung aus. Dazu sättigt die Protein-Fett-Kombination des Fleisches besonders gut und lange. Aber achten Sie darauf, welche Fette Sie verzehren, bevorzugen Sie ungesättigte Fettsäuren wie zum Beispiel in Raps- und Olivenöl oder in fetten Fischen wie Lachs, Hering oder Thunfisch.
Eier enthalten viel Cholesterin und ein zu hoher Cholesterinspiegel ist ein Risikofaktor für zum Beispiel Arteriosklerose. Aber den Blutfettwert lassen Eier nicht ansteigen. Überschüssiges Cholesterin wird vom Körper über den Darm ausgeschieden. Studien belegen, der größte Teil der Bevölkerung zeigt keine Reaktion auf Nahrungscholesterin. Probleme gibt es nur bei einer genetisch bedingten Fettstoffwechselstörung und bei Fettleber.
Blitzdiäten mit etwa 1000 Kalorien pro Tag versprechen rasche Erfolge, was sie hingegen verschweigen ist, dass bei einer derartig geringen Nährstoffzufuhr der Körper auf Sparflamme schaltet, Stoffwechsel und Energieverbrauch können so um bis zu 40 Prozent sinken. Isst man nach der Diät wieder normal, kommt es zum berüchtigten Jojo-Effekt, schnell nimmt man die verlorenen Pfunde wieder zu.
Wer abnehmen möchte sollte den Löffel und die Finger vom Fruchtjoghurt lassen. Denn die Kombination von tierischem Eiweiß (Joghurt) und Zucker (Früchte) löst maximalen Insulinstress aus. Folge: Fettmast der Zellen.
Schwere Speisen wie Eisbein oder Knödel liegen wie Blei im Magen. Ein Kräuterschnaps verspricht Linderung. Tatsächlich geht es uns danach besser, aber der Alkohol spielt dabei keine Rolle. Wirksam sind nur die enthaltenen Kräuterreizstoffe, die den Fluss der Verdauungssäfte und die Motorik anregen.
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