Folgekrankheiten bei Diabetes – wie kann man sie verhindern?
Diabetes-Folgekrankheiten – fast jeder denkt da sofort an Herz, Augen oder Nieren. Und bestimmt nicht an eine schmerzende Schulter oder steife Finger. Zumal es tausend andere Ursachen gibt, wenn Gelenke plötzlich zwicken oder einrosten.
Probleme mit dem Bewegungsapparat sind so häufig, dass kaum jemand auf Dauer verschont bleibt. Statistiken zufolge zählen Rückenschmerzen und Gelenkbeschwerden zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen und Berufsunfähigkeit in Deutschland.
Meistens stecken Muskelverspannungen, Bandscheibenleiden aber auch Gelenkverschleiß oder rheumatische Erkrankungen dahinter. Meistens, aber nicht immer. Dann manchmal kann auch eine Diabetes eine Rolle spielen – beispielsweise bei der „frozen shoulder“, der gefrorenen Schulter, oder bei der diabetesbedingten Fingersteife Cheiropathie.
Etwa jeder fünfte Diabetiker erkrankt irgendwann an einer gefrorenen Schulter, jeder dritte an einer Cheiropathie. Was sich dabei im Gewebe abspielt, weiß man nicht genau. Experten vermuten unter anderem, dass Zuckermoleküle an Bindegewebefasern haften und diese verkleben. Auch entzündliche Prozesse und Durchblutungsstörungen hat man unter Verdacht.
Bis zu fünf Prozent aller Menschen erkranken an einer „frozen shoulder“, Diabetiker häufiger als Nichtdiabetiker. Auch Schilddrüsenkrankheiten, Fettstoffwechselstörungen, die Parkinson-Krankheit oder Herz- und Lungenleiden erhöhen das Risiko.
Typischerweise verläuft die „frozen shoulder“ in drei Stadien. Im Durchschnitt dauert jedes etwa sechs Monate, wobei es große Unterschiede geben kann. In der ersten Phase kommt es zu plötzlichen Schmerzen in der Schulter, die im Laufe von Wochen bis Monaten immer stärker werden. Vor allem in Ruhe und nachts sind sie oft unerträglich. In der zweiten Phase lassen die Schmerzen nach, dafür wird das Schultergelenk immer steifer, es „friert ein“. In der dritten Phase lassen die Beschwerden nach, bis sie in den meisten Fällen nach etwa 18 Monaten verschwinden.
Die Diagnose „frozen shoulder“ stellt der Arzt in der Regel, wenn er keine anderen Ursachen für die Beschwerden findet, etwa Rheuma oder Gelenkverschleiß. Leider wird die Krankheit häufig nicht rechtzeitig erkannt, sodass es dauert, bis eine gezielte Behandlung beginnt. Dadurch verlängert sich die Leidenszeit oft unnötig. Denn mit einer gezielten Behandlung lassen sich der Krankheitsverlauf in der Regel verkürzen und die Symptome lindern.
Gezielte Behandlung, das heißt zunächst einmal regelmäßige Physiotherapie, um die Beweglichkeit des Schultergelenks zu verbessern. Ergänzend helfen schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, die Symptome zu lindern.
Die Behandlung setzt allerdings einige Geduld voraus. Neben Behandlungen bei Physiotherapeuten, müssen die Patienten auch zu Hause regelmäßig die Übungen machen, die ihnen gezeigt wurden.
Im Einzelfall kann auch eine Operation sinnvoll sein. Etwa wenn jemand auch nach der Physiotherapie noch starke Schmerzen hat und seinen Arm kaum bewegen kann.
Nur ein kleiner Teil der Patienten mit „frozen shoulder“ leidet noch nach Jahre unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Ob eine frühzeitige Operation diesen Verlauf eher verhindern kann als eine Physiotherapie, ist bislang nicht klar.
Einmal abgeheilt macht eine „frozen shoulder“ gewöhnlich keine Probleme mehr. Allerdings kommt es vor, dass die andere Schulter ebenfalls erkrankt. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei etwa 20 bis 30 Prozent. Dass beide Schultern gleichzeitig erkranken ist höchst selten.
Im Gegensatz zur „frozen shoulder“ ist die Cheiropathie eine typische Diabetiker-Erkrankung, die bei Stoffwechselgesunden eher selten vorkommt. Fast immer sind beide Hände betroffen. Weil sich Bindegewebe, Sehnen und Haut der Hände verhärten und verdicken, lassen sich die Finger nicht mehr richtig strecken. Meist beginnt die Cheiropathie am kleinen Finger. Nach und nach dehnt sie sich auf die anderen Finger aus. Schmerzen macht die Cheiropathie in der Regel nicht und nur in seltenen Fällen schreitet sie so weit fort, dass sie im Alltag Probleme macht. Dann allerdings kann das Gewebe so verdickt sein, dass es auf Nerven oder Gefäße drückt und Schmerzen verursacht.
Die Cheiropathie macht wenig Beschwerden. Das ist auch der Grund, warum die häufige Handkrankheit so selten diagnostiziert wird.
Cheiropathie-Patienten haben ein höheres Risiko für andere Diabetes-Folgekrankheiten, beispielsweise für Schäden an Nieren, Augen und Nerven.
Ob perfekte Blutzuckerwerte Schulter- und Handprobleme verhindern können, ist bislang nicht definitiv geklärt. Jedoch gibt es Hinweise darauf, dass zumindest die Cheiropathie bei stabiler und guter Stoffwechseleinstellung seltener auftritt.
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