Romantikwochenende Tschechien

Ein Pferd, eine Kutsche – mehr bedarf es für Roma-Romantik nicht. Immer im Schritt geht es durch die böhmischen Dörfer östlich von Budweis, wo es vor allem von Ruhe genug gibt. Auf dem Hof sind schon fünf Planwagen zur ersten Kutschfahrt-Tour aufgebrochen. Es geht langsam voran, das Tempo ist tatsächlich so, dass man die Blumen am Wegesrand zählen kann und manchmal scheint es sogar, als trotte das Pferd im Schlaf. Südböhmen in Slow-Motion: Im Schritttempo werden Weizenfelder, Karpfenteiche und gruselig-schwarze Tümpel passiert. Durch dunkle Tannenwälder und über einsame Alleen, Zitronenfalter torkeln eine Weile der gelblichen Plane des Wagens hinterher.

Den Weg zu finden ist kinderleicht: Kleine Schilder an den Weggabelungen lassen kaum Zweifel aufkommen; wenn doch, weisen Pferdeäpfel den Weg. Durch dunkle Dörfer geht die Fahrt weiter. Man sieht noch die vergangene sozialistische Zeit, die gedruckten kleinen Häuschen mit dem graubraunen Putz und den vielen Anbauten hier und dort, Schuppen, wilde Halden aus Holz und verrostete Gerätschaften – und daneben frischer Putz und neue Mauern, gepflasterte Hofeinfahrten mit Automarken aus dem Westen und üppige Blumengärten.

Ereignislos ist das Kutscherleben in Tschechien aber keineswegs, schon gar nicht für Besucher, die zuvor noch nie auf einem Kutschbock saßen.

Schon dutzende Familien wurden mit diesen Kaltblütern sicher ans abendliche Lagerfeuer gebracht. Das Feuer im Camp prasselt und es wird viel gelacht und erzählt in gemütlicher Atmosphäre. Mit ein bisschen Glück kann man sogar Seeadler, Mufflons, Störche, Eisvögel und Fasane sehen. Südböhmen, das ist einfach Natur pur. Lang genug gewartet, im Feuer fällt die Asche zusammen, im Dunkel hört man die schnaubenden Pferde auf der Koppel.

Dann beginnt der nächste Tag, bei der die Gnädiger die Gäste zum Baden in einem nahen See einladen, natürlich mit den Pferden, aber diesmal ohne Sattel. Wer mag, geht so tief, bis die Pferde unter ihm schwimmen. In immer neuen Runden führen die Reiter die Tiere in den See, kehren zurück, preschen wieder ins Wasser, immer weiter hinein, immer mutiger. Das große aufregende Glück macht stolz, das Glück, das nach Pferd riecht und Natur, nach einem Stückchen Freiheit und nach frischer Luft.

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